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Patienten-News vom 08.03.2022, zur Verfügung gestellt vom  IFK

Mit Wärme mal locker lassen

Mit Wär­me ver­bin­den die meis­ten Men­schen po­si­ti­ve Ge­füh­le ins­be­son­de­re in der kal­ten Jah­res­zeit. Doch Wär­me kann auch als the­ra­peu­ti­sches Mit­tel an­ge­wen­det wer­den, wie er­folg­reich in der Phy­sio­the­ra­pie. Wär­me­an­wen­dun­gen wer­den häu­fig als vor­be­rei­ten­de und un­ter­stüt­zen­de Maß­nah­me für phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lun­gen ein­ge­setzt.
„Die äu­ßer­li­che An­wen­dung von Wär­me ist ein the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren, das schon seit Jahr­hun­der­ten prak­ti­ziert wird und auch in un­se­rer mo­der­nen Welt Be­stand hat“, sagt Ute Rep­schlä­ger, Phy­sio­the­ra­peu­tin und Vor­stands­vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands selbst­stän­di­ger Phy­sio­the­ra­peu­ten – IFK e. V.

Die Wär­me­the­ra­pie wird in der Na­tio­na­len Ver­sor­gungs­leit­li­nie nicht­spe­zi­fi­scher Kreuz­schmer­zen, die Be­hand­lungs­op­tio­nen bei Rü­cken­schmer­zen auf­zeigt, als er­gän­zen­de Be­hand­lungs­op­ti­on zu ak­ti­vie­ren­den The­ra­pie­maß­nah­men auf­ge­führt. Sie ist ein ther­mo­the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren und ge­hört zur Grup­pe der phy­si­ka­li­schen Me­di­zin. Die Wär­me­the­ra­pie macht sich die Re­ak­tio­nen von Haut, Un­ter­haut und tie­fe­ren Ge­we­ben auf die Wär­me­ein­wir­kung zu­nut­ze, um ihre hei­len­de Wir­kung zu ent­fal­ten. Die Wär­me­the­ra­pie kann auf viel­fäl­ti­ge Art und Wei­se ap­pli­ziert wer­den. Die un­ter­schied­li­chen An­wen­dungs­for­men un­ter­schei­den sich durch das phy­si­ka­li­sche Prin­zip, das für die Wär­me­über­tra­gung ver­ant­wort­lich ist.

Da­bei gibt es drei un­ter­schied­li­che Wirk­prin­zi­pen. Das Prin­zip der Wär­me­lei­tung (Kon­duk­ti­on) fin­det bei Wär­me­pa­ckun­gen An­wen­dung. Da­bei kom­men häu­fig die so­ge­nann­ten Pe­lo­ide zum Ein­satz, die be­son­ders gut Wär­me spei­chern kön­nen. Pe­lo­ide (griech. pe­los = wei­cher Schlamm) sind Ma­te­ria­li­en wie Ton oder Lehm, die als Pa­ckun­gen auf­ge­legt wer­den. Die Wär­me­strö­mung (Kon­vek­ti­on), wie bei ei­nem hei­ßen Bad, und die Wär­me­strah­lung in Form von In­fra­rot­strah­lung sind wei­te­re Mög­lich­kei­ten der Wär­me­ap­pli­ka­ti­on.

Die Wir­kung der Wär­me wird un­ter an­de­rem über Ther­mo­re­zep­to­ren ver­mit­telt. Durch die Sti­mu­la­ti­on kommt es zu re­flek­to­ri­schen Ef­fek­ten, die über ner­va­le Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Re­zep­to­ren – zum Bei­spiel zwi­schen der Haut und dem Or­gan­sys­tem – über­tra­gen wer­den. Da­durch er­reicht die Wär­me die ober­fläch­li­chen Struk­tu­ren und hat auch eine Wir­kung auf tie­fer­ge­le­ge­ne Schich­ten.

Die Wär­me­the­ra­pie hat fol­gen­de the­ra­peu­ti­sche Ef­fek­te:

  • Sie wirkt durch­blu­tungs­för­dernd durch Ge­fäßer­wei­te­rung.
  • Sie ver­bes­sert den Stoff­wech­sel von Zel­len und Mus­ku­la­tur, in­dem die Sau­er­stoff- und Nähr­stoff­zu­fuhr er­höht wird.
  • Bei wie­der­hol­ter An­wen­dung wird die Re­ge­ne­ra­ti­on der Mus­keln ge­för­dert.
  • Die emp­find­li­chen Ner­ven­bah­nen lei­ten Wär­me­rei­ze über Schalt­stel­len im Rü­cken­mark und Ge­hirn an das Schmerz­zen­trum. Da­durch wer­den che­mi­sche Pro­zes­se aus­ge­löst, die das Schmerz­emp­fin­den dämp­fen.
  • Wär­me wirkt re­gu­lie­rend auf die Pro­duk­ti­on von Stress­hor­mo­nen. Des­halb wirkt Wär­me auch auf psy­chi­scher Ebe­ne ent­span­nend. Der Mensch „lässt lo­cker“ und ent­krampft, der Mus­kel­to­nus (Span­nung der Mus­ku­la­tur) nimmt ab.

Oft an­ge­wen­de­te For­men der Wär­me­the­ra­pie sind Pa­ckun­gen mit Pe­lo­iden, die Hei­ße Rol­le so­wie die In­fra­rot- und die Heiß­luft­be­hand­lung. Die Pe­lo­ide Hei­lerde, Moor und Fan­go wer­den häu­fig als Pa­ckun­gen auf­ge­legt. Die Ein­wirk­zeit liegt zwi­schen 20 und 30 Mi­nu­ten. Eine Fan­go- oder Moor­pa­ckung ist sehr viel­sei­tig und kann auf lo­ka­le Kör­per­par­ti­en, Mus­kel­grup­pen und Ge­len­ke ap­pli­ziert wer­den. Bei ei­ner Rü­cken­pro­ble­ma­tik kann der ge­sam­te Rü­cken be­han­delt wer­den – oder ein­zel­ne Be­rei­che wie der Len­den­wir­bel-Ge­säß- oder der Schul­ter-Na­cken-Be­reich.

Die Hei­ße Rol­le ist eine Wär­me-Be­hand­lung mit ei­ner Rol­le aus trich­ter­för­mig auf­ge­roll­ten Hand­tü­chern. In die Hand­tü­cher-Rol­le wird ko­chen­des Was­ser ein­ge­füllt. Die Kom­bi­na­ti­on aus Wär­me und ak­tiv rhyth­mi­schen Roll- und Streich­be­we­gun­gen führt lo­kal zu ei­ner star­ken Mehr­durch­blu­tung und Stoff­wech­sel­ver­bes­se­rung. Die Wir­kung über­trägt sich re­flek­to­risch auf in­ne­re Or­ga­ne und die Mus­ku­la­tur im Be­hand­lungs­ge­biet.

Bei der In­fra­rot­be­hand­lung er­zeugt das In­fra­rot­licht Wär­me auf der da­mit be­han­del­ten Kör­per­stel­le. Die­se The­ra­pie­form wird häu­fig er­gän­zend ne­ben The­ra­pie­me­tho­den aus der Phy­sio­the­ra­pie bei Pa­ti­en­ten mit Schmer­zen des Be­we­gungs­ap­pa­rats ein­ge­setzt. Das In­fra­rot­licht ist ein na­tür­li­cher Be­stand­teil des Son­nen­licht­spek­trums. Die In­fra­rot­strah­lung er­reicht die ober­fläch­li­chen Haut­schich­ten und sorgt für eine Mehr­durch­blu­tung, wo­durch wie­der­um Stoff­wech­sel­pro­zes­se an­ge­regt wer­den, die eine schmerz­lin­dern­de Wir­kung her­vor­ru­fen. Die Be­hand­lung mit Heiß­luft ent­spannt die Mus­ku­la­tur und lin­dert Schmer­zen. Für Pa­ti­en­ten, die sich un­gern in eine Pa­ckung „ein­pa­cken las­sen“, kann die­se An­wen­dung eine gute Al­ter­na­ti­ve sein.

Durch die un­ter­schied­li­chen Wär­me­an­wen­dun­gen wird das Bin­de­ge­we­be fle­xi­bler und der Mus­kel­to­nus sinkt, so­dass bei­spiels­wei­se mo­bi­li­sie­ren­de Tech­ni­ken an Ge­len­ken bes­ser durch­ge­führt wer­den kön­nen. In­di­ka­tio­nen für den Ein­satz von Wär­me­the­ra­pie sind un­ter an­de­rem Er­kran­kun­gen des Stütz- und Be­we­gungs­ap­pa­rats im chro­ni­schen Sta­di­um (z.B. Mor­bus Bech­te­r­ew), Ar­thro­sen, mus­ku­lä­re Ver­span­nun­gen, Schul­ter-Na­cken­ver­span­nun­gen, Rü­cken­schmer­zen und Kie­fer­ge­lenks­be­schwer­den/​Cra­nio­man­di­bu­lä­re Dys­funk­ti­on (CMD).

Manch­mal ist eine Wär­me­an­wen­dung nicht an­ge­ra­ten oder soll­te zu­erst mit ei­nem Arzt be­spro­chen wer­den. Das gilt etwa bei aku­ten Ent­zün­dun­gen wie grip­pa­len In­fek­ten oder aku­ten Ge­len­k­ent­zün­dun­gen, (ho­hem) Fie­ber, of­fe­nen Haut­ver­let­zun­gen oder Haut­ir­ri­ta­tio­nen im zu be­han­deln­den Kör­perare­al. Aber auch Herz­schwä­che (Herz­in­suf­fi­zi­enz), Blut­hoch­druck (Hy­per­to­nie), Krebs­er­kran­kun­gen, Blu­tungs­nei­gung, Durch­blu­tungs­stö­run­gen wie bei Rau­cher­bein, Throm­bo­sen oder Krampf­adern so­wie Sen­si­bi­li­täts­stö­run­gen (ver­min­der­te Wahr­neh­mung sen­si­bler Rei­ze wie Wär­me und Käl­te) kön­nen eine Kon­tra­in­di­ka­ti­on dar­stel­len.

Heisse RolleEine klas­si­sche In­di­ka­ti­on für den Ein­satz von Wär­me­the­ra­pie im Rah­men der phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lung ist der „He­xen­schuss“. Ne­ben der ma­nu­el­len The­ra­pie und der An­lei­tung von ak­ti­vie­ren­den Maß­nah­men kann eine hei­ße Rol­le mit feuch­ten Tü­chern un­ter­stüt­zend in der The­ra­pie ein­ge­setzt wer­den. Da­mit wird ei­ner­seits ak­tiv auf ei­nen öko­no­mi­schen Be­we­gungs­ab­lauf hin­ge­ar­bei­tet und an­de­rer­seits die ver­spann­te Mus­ku­la­tur be­ar­bei­tet.
„Beim He­xen­schuss aber auch bei vie­len an­de­ren In­di­ka­tio­nen stellt die Wär­me­the­ra­pie eine sinn­vol­le Er­gän­zung in der phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lung dar“, er­klärt Rep­schlä­ger.

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